Am ersten Tag in Merida bin ich gleich Moutainbiken gewesen. Hab mir von der Posada hier ein Giant Bike gemietet. Da ich mich nicht auskannte, hab ich mich entschlossen gleich eine Tour zu buchen. Das Rad wurde angerechnet und für knapp 40 Euro bekam ich dann einen guten Guide präsentiert. Die Gruppe bestand aus dem Guide und mir :-) was wieder sehr geil war... Wir haben die 4h Tour in knapp 3h durchgezogen :-) waren sehr geile Anstiege, an denen mir die Oberschenkel abgefault sind dabei, aber auch sehr geile Single Trails runter..mit Spitzkehren, Treppen, verblockte Wege.. Einmal mehr hat sich mein Techniktraining im Schwarzwald und das WE in Ischgl ausbezahlt. Nach drei Anstiegen und Abfahrten hat´s dem Guide gereicht. Er meinte, er brauche jetzt ne Pause, da seine Oberschenkel am Arsch wären. Jeden Tag so einen Kunden wie mich und er wäre nach 3 Wochen platt.. Grinz. Ich will halt Leistung und FUN für mein Geld :-) Ne, ich muss eingestehen, mir hat´s zum Schluss auch gereicht.
Dann war noch die Aktion “ich kauf mir eine Prepaid-Karte” angesagt. Es hat zwei Anläufe gebraucht, bis ich die Karte endlich hatte.. Nach Kopie des Reisepasses und Test ob die Karte in meinem Handy funktioniert (das natürlich grad leer war und im Laden erst geladen werden musste) hat es dann über 10 Versuche gedauert, bis ich endlich meine Karte hatte (jedesmal wurde vom System die Prepaid Karte abgelehnt und die haben es dann mit einer neuen versucht...zwischendurch haben sie mich ne Stunde weggeschickt..deshalb zwei Anläufe...) Naja, jetzt hab ich se und bin auch in Venezuela (zu meinen Tagzeiten man bedenke -6 Std) erreichbar.
War dann noch in einem Eiscafe, das sich rühmt im spanisch sprechenden Ableger vom Guiness Buch der Rekorde mit den meisten Eissorten zu stehen. Tatsächlich gibts dort im Wechsel insges. 700!! Eissorten. Ich hab mal Tomate (lecker), Cervesa Lokal :-) (auch lecker) und Rosso Negro (keine Ahnung was das war, hat aber geschmeckt) getestet. Lachs, Zwiebel und Knoblaucheis wollte ich dann nicht testen - da wäre mir bestimmt schlecht geworden. Grinz.
Am nächsten Tag stand Canyoning auf dem Programm. Abfahrt war gg.09h. Mit auf der Tour waren 2 Italiener aus Rom, zwei Schweizer aus Zürich und zwei mega silikongepuschte venezuelanische Miezen und ihr Begleiter (das mit dem Silikon ist hier wohl absolut IN, mehr als in Hongkong, schätze der überwiegende Teil der Frauen aus der Stadt haben sich so was machen lassen).
Die Tour ging kanpp 6h, davon 4h im Wasser. Da es in der Nacht zuvor geregnet hatte, war recht viel Wasser im Fluss, was wieder richtig klasse war. Ging über Wasserrutschen und Sprünge von 4m zum ersten Wasserfall. Der war kanpp 7-8m hoch. Beim ersten tiefen Wasserloch haben wir dann festgestellt, dass Miss Silikon I nicht schwimmen kann :-) hä? Und dann canyoning machen..tztztz..
Wir haben uns dann immer am Ende eines Wasserfalls/Lochs hingestellt und die gute aus dem Fluten gerettet. Grinz.
Miss Silikon II hatte irgendwas mit dem Gleichgewicht :-) die hats bestimmt 30x auf die Fresse gelegt. So was von einem Bewegungstalent hab ich schon lange nicht mehr gesehen :-) Ich schätze Ihre Fähigkeiten lagen woandes :-))
Wir haben uns dann noch über zwei weitere Wasserfälle von 12-15m und den letzten von ca. 35m abgeseilt. Das war Adrenalin pur, wenn Du in dem Fall hängst, dass Wasser dir fast die Schuhe von den Füssen zieht und du wenig Luft zum Atmen hast und dich dabei schnell nach unten abseilen sollst.
Mit der Zeit wurde es dann jedem richtig kalt. War dann froh, als wir den Fluss endlich verlassen konnten und durch den Dschungel nach 25min die Straße und dann später unseren Jeep erreicht hatten. Wenn jemand mal nach Südamerika kommt, dem kann ich nur canyoning, raften etc. empfehlen. Die Anden und ihre Flüssen sind doch etwas anderes als die Alpen.
Am Abend waren ich mit den beiden Schweizern noch aus. Wir waren in DER Kneipe hier in Merida/soll “die” Bar in Venezuela sein...nun das Bier kostete 70ct und der Schuppen war so voll, dass die Leute draußen auf der Straße standen/tanzten. Eins muss man den Chikas hier lassen, also tanzen können sie alle, da kommt die Disse/Bar daheim wie ein stocksteifer Haufen vor... da wirst als Mann von drei Seiten gleichzeitig angetanzt..aber nicht nur so ein bisschen..sondern richtig kernig. — interessante...wie der Venezuelaner sagen würde..aber alles nur Spaß. Und so muss man es sehen.
Am dritten Tag hier hatte ich “frei” da meine Raftingtour erst am Freitag begann. Ich war in der Stadt und hab mir die Sehenswürdigkeiten angeschaut. War im im örtl. Museum. Dort befindet sich die zweitälteste Glocke der Welt. Wurde von den Spaniern hierhergebracht. Anschließend wollte ich mit der Seilbahn hoch auf den Espejo fahren. Die Seilbahn rühmt sich die längste bzw. Die höchste der Welt zu sein, da man auf über 4200m damit kommt. Leider wird sie gerade renoviert, so dass gar nix geht. Es steht ein großer Bauzaun drumrum, drauf Bilder der Firma Doppelmayr aus Austria (welche die Seilbahn renoviert) wie es später aussehen soll. Spacy muss ich sagen. Wie ne kleine Raumstadion. Also bin ich zu Fuß los. Dachte mir in 2h bist oben. War ich auch 2.5h hats aber gedauert. Ich Heinz hatte natürlich kein Wasser dabei und ging in kurzer Hose. Das ist im Dschungel doof. Vor allem wenn der Weg zugewachsen ist. Runter wollte ich dann eine Abkürzung nehmen, hab mich promt verlaufen. Ich war so fertig, dass ich den Schweiß aus meinem Shirt rausgesaugt hab, damit ich was zum trinken hab. Hab mich dann natürlich promt verlaufen, da die Abkürzung irgendwo 200m Höhenmeter tiefer aufhörte. Hoch wollte ich nicht mehr. Also Handy raus, GPS an und die Straße geortet. Dann ne starke Stunde quer durch den Dschungel mit nur einem Stock um die Pflanzen beiseite zu hauen. Der Urwald hier ist schon was anderes als in Asien, da muss man sich echt jeden Meter erkämpfen.
Natürlich hats dann auch angefangen zu regen :-) Aber ich war irgendwann raus und hab mir gleich im nächsten Laden 2L Bottle gekauft und (fast) auf Ex getrunken :) fragt mich nicht wie ich ausgesehen habe.....
dann war für den Rest des Tages Dusche und Hängematte angesagt. Am nächsten Tag war dann der Transport zum Raften Tagesmittelpunkt. Abfahrt wäre um 9.30h gewesen. Ich schreibe bewusst gewesen... was für ein Drama... um 09.30h hieß es, dass wir um 11.30h fahren, da der Wagen irgendein Problem hat und noch in der Werkstatt wäre. Grundsätzlich wäre mir das egal gewesen, aber ich wollte in Barinas ein Ticket für den Nachtbus von Sonntag auf Montag kaufen, da Hochsaison ist (Ferien in Venezuela) u die Tickets für die Busse schnell verkauft sind (ich hatte keine Lust in Barinas zu Übernachten). Der Wagen kam und es wurde 12h - nichts geschah, es wurde 13h... ich erfuhr, dass man neben der Batterie nun auch noch die Wasserpumpe tauschen muss, da diese wohl kaputt wäre. Also Ersatzteil irgendwo gekauft.. Es wurde 15h.. Der Wagen wurde beladen. Um 16h gings zwischen Zwiebeln und Kartoffeln los.. Um 16.30h der erste Stopp..irgendetwas stimmt mit dem Motor nicht. Als ich sah, dass hinten ganz weißer Dampf aus dem Auspuff kam und der Kühler und Ausgleichsbehälter leer waren...wusste ich was die Uhr geschlagen hatte..Zylinderkopfdichtung am Arsch..Folge von der defekten Wasserpumpe..Motor überhitzt und Ende..
Da man dem “dummen” Deutschen der kein Spanisch spricht (soviel zu den Vorurteilen zu den Menschen die in Deutschland schlecht deutsch sprechen..) wenig Glauben schenkte, wurde es 17.30h bis ein Mechaniker vor Ort kam und zu dem gleichen Schluss kam. Also Auto in die Werkstatt, Mietwagen samt Fahrer organisiert und um 19h gings los... ich war stinkesauer und kurz davor auszusteigen und meiner Wege zu gehen. Ich glaub das hat man mir angesehen und mir meine Ruhe gelassen. Ich hatte in Barinas nicht erwartet, dass der Ticketschalter noch offen hatte und deshalb hatte sich meine Laune während der Fahrt dorthin auf -30 befunden. Aber siehe da, Ticketschalter offen und sogar noch ein Ticket für Sonntagnacht bekommen. Abfahrt 24h. Cool.
Wir kamen dann um 23.30h am Camp an. Sehr schön gelegen.Aufgebaut wie eine Ranch. Viereckiges Gebäude, Innenhof, alles Terrakotta gefliest und das Haus aus Tropenholz und Zedernholz gebaut. Tolle Zimmer.. Meine Laune hatte sich wieder gebessert. Nach einer ruhigen Nacht - zum Glück hatte ich mein Moskitonetz mit, kamen am nächsten Tag 40 Venezuelaner und 6 Leute von der US Botschaft aus Caracas zum Raften. Die Amis hatten sich schnell durch ihre etwas eingebildete Art Abstand zu den Leuten geschaffen. Ich bin halt überall hin und hab mit den Leuten geredet und überall Anschluss gefunden. Hab interessante Typen kennengelernt, wie ein Brüderpaar (stinkereich) die in Utah ihr Geld gemacht hatten und perfekt englisch sprachen (Schwarzgurte im Judo..also reichlich Gesprächsstoff...) einen Typen der bei der Nationalbank in Caracas arbeitet und dort hauptsächlich die Banken auf Schwachstellen prüft (er versucht illegal an Geld zu kommen durch Falschgeld, Betrügereien, Manipulation von Geldautomaten usw..)
Ich bin dann bei 8 Typen mitgefahren die so eine Art Männerausflug machten. Sehr lustige Truppe. Der erste Tag war auf einem Fluss, den ich vom Level als 2-3 einstufen würde, so in der Art “Imst” in Österreich. Ging ganz gut.
Am Abend war dann Party angesagt. Da ich durch meine offene Art schnell Anschluss fand, wurde ich natürlich von jeder Gruppe gleich mal zum Cuba Libre und was weiß ich für Sachen eingeladen. Ich musste höllisch aufpassen noch einigermaßen fit zu bleiben, da es am nächsten Tag ja mit dem Raften weiterging.
Hab einen Typen getroffen der in einem Tshirt mit dem badischen Landeswappen und der Aufschrift “BADEN” rumlief. Gib dir das mal.. Du fliegst nach Venezuela, fährst in die Anden zum raften und triffst im Nirgendwo jemand mit einem BADEN T-Shirt. Lösung: er war in Baden-Baden gewesen (beruflich) und es hat im sehr gut gefallen.
Ja - das hat meiner badischen Seele sehr gut getan :-)) grinz.(Seitenhieb auf die Schwaben :-)
Nächster Tag war der Fluß Level 3+ mehr nicht. Angekündigt war 4 und mehr. Aber aufgrund des niedrigen Wasserstandes waren die schwierigen Stellen entschärft. Zum Glück muss ich sagen, denn wenn ich gesehen hab was da so mitgefahren ist..das wäre bei 4+ nicht gut gegangen...
Als wir ankamen begann es zu regen. Die Rückfahrt zum Camp dauerte ca. 50 min. 50min auf einem Lkw mit Bänken, zusammen mit ca. 50 Menschen, über uns 4 Boote... der Regen kam quer, so stark regnete es und das Wasser füllte innerhalb von 30min Rinsaale in Bäche und Bäche in reißende Ströme. Als ich den Fluss sah war ich froh, dass wir unten waren. Das wäre echt lebensgefährlich gewesen jetzt raften zu müssen..
Ich wurde dann gg. 19h zum Bus gefahren und drückte mich bis 24h auf dem Busbahnhof rum. Bin zwischendurch zum MC Doof gefahren und hab mich dort ne Stunde unter ne Klimaanlage gehockt (bei Mc Sundae Eis :-)-.
24h kam der Nachtbus. Muss man sich so vorstellen. Doppeldecker, unten ca. 10 Leute, oben 30. Sitze zum weit runtermachen. Beinfreiheit deutlich mehr als im Flugzeug. Nachteil: Die Busse werden auf ca. 12 Grad runtergekühlt. Ich wusste das und hatte meine lange Hose und meine Mammutjacke an. So gings :-)
Wir fuhren und fuhren. Um 10.30h erste Pause. 15.30h zweite Pause. Hier Polizeikontrolle. Wenn kontrollieren sie? Klar - mich. Also raus aus dem Bus, Koffer rausgeholt und ähnlich wie in China vor Jahren, alles, aber auch alles rausgeholt. Die haben sogar die Batterien aus meiner Taschenlampe und die Medikamete aus dem Verpackungen geholt. Also gründlich gearbeitet würde ich als Sheriff sagen. Gefunden haben sie natürlich nichts. Außer, dass sie große Augen bekamen, was ich so alles im Koffer mit mir rumführe :-))
Als wir dann endlich um 19h nach 19 Stunden Busfahrt in Ciudad Bolivar ankamen, war das erste was ich erlebte als ich austieg, dass ich sofort wieder von der Polizei kontrolliert wurde :-) sie hatten dann ein Einsehen und ich musste meine Koffer nicht aufmachen :-))
bin dann mit drei Spanier mit einem Taxi in die Stadt gefahren und wohne in einer billigen Posada (10 Euro die Nacht) in einem fensterlosen, aber mit Klima versehenen Zimmer. Da ich hier nur diese Nacht und max. noch eine Nacht bleiben werde, ist das Zimmer ok. Ich will ja zu den Angel Falls gehen. Das werde ich morgen organisieren.
Grüße aus Ciudad Bolivar

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